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Museum Kraftwerk Hirschfelde


Als am 23. November 1992 im Kraftwerk Hirschfelde die letzten Schaltungen ausgeführt waren, ging eine fast 82 jährige, ununterbrochene Elektroenergieerzeugung in einem der ältesten Braunkohlekraftwerken Deutschlands und dem ältesten VEAG-Kraftwerk zu Ende. Generationen von Kraftwerkern fanden hier in dieser Zeit Lohn und Brot, oft von Lehrbeginn bis ins Rentenalter. Von 1911 bis 1992 waren insgesamt 5000 Werktätige in 4 Generationen beschäftigt. Zur Zeit der höchsten installierten Leistung 1964 hatte das Kraftwerk 1300 Mitarbeiter – davon 25 Ingenieure, 140 Büroangestellte und 1135 Produktionsarbeiter. Die längste Dienstzeit im Kraftwerk leistete Felix Gulrich, Heizer in der Mitteldruckanlage, vom 3. Mai 1920 bis 18. Mai 1981.

Die größte installierte elektrische Leistung erreichte das Kraftwerk mit 330 MW etwa um 1960. Das waren 7,5 % der in der DDR im Industriezweig Energie installierten Kraftwerksleistungen, die im Jahr 1962 4395,3 MW betrug. Durch die Stillsetzung unwirtschaftlicher Anlagen am Standort, vor allem aber durch die Inbetriebnahme großer Kraftwerksanlagen in der Niederlausitz, sank später der Anteil der in Hirschfelde erzeugten Energie. Während der gesamten Betriebszeit des Kraftwerkes wurden 71.300.000 MWh Elektroenergie erzeugt, der Spitzenwert wurde 1961 mit 2.037.800 MWh erreicht. Hierfür war die Verbrennung von 172 Mio. t Rohkohle notwendig.

Es wurden Lebensdauerrekorde von Aggregaten erreicht, die in anderen Kraftwerken kaum auftraten, wie z. B.:
Dampfkessel 21 von 1921 bis 1982 mit 410.252 Betriebsstunden
Dampfturbosatz 5 von 1929 bis 1992 mit 413.499 Betriebsstunden.

Da in der ehemaligen DDR, auch bei der in der Rangliste der Dringlichkeiten weit oben stehenden Energiewirtschaft, Ersatz- und Neuinvestitionen nur in begrenztem Rahmen erfolgten, wurden die Aggregate bis an die Grenzen der Betriebssicherheit und Lebensdauer beansprucht. Das hatte zur Folge, dass im Kraftwerk Hirschfelde zum Zeitpunkt der Außerbetriebnahme eine Vielzahl von Zeitzeugen vorhanden waren, die vom hohen Stand der früheren Leistungen des Kraftwerksmaschienenbaus, der Elektrotechnik, aber auch der Industriearchitektur kündeten.

Von einigen Mitarbeitern des Kraftwerkes wurde der historische Wert dieser Anlagen und die Notwendigkeit der Erhaltung für die Nachwelt erkannt. Sie gründeten im Oktober 1991 eine Interessengemeinschaft „Technisches Denkmal Kraftwerk Hirschfelde“, aus der am 8. Juni 1993 der „Förderverein e.V. Technisches Denkmal und Museum Kraftwerk Hirschfelde hervorging. Er will die wertvollen Zeitzeugen ingenieurtechnischer Leistungen früherer Generationen bewaren und der Nachwelt die Geschichte der heimischen Energiewirtschaft vermitteln.

Weitere Informationen

Quellenangabe:
Sylvia Söhnel


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